Die geliebte Jeansjacke wandert, nach dem sie lange gute Dienste erwiesen hat, einfach auf den Kompost und bleibt so als Nährstoff im natürlichen Kreislauf erhalten. Die metallischen Knöpfe werden zu einem neuen Rohstoff im technischen Kreislauf… Nichts geht verloren!

So kann nach dem Cradle to Cradle Konzept die Zukunft unsere Textilien aussehen. Welche Erfolge mit Cradle to Cradle bereits erzielt wurden, welche innovativen Ideen nur noch auf ihre Umsetzung warten und welche Hürden noch genommen werden müssen, wurde am 21.02.2017 bei unserem Expertenforum #2 „Textilien – Kreisläufe – Beschaffung – Lieferketten“ im Sarah Wiener Restaurant in Berlin diskutiert.

Expert*innen aus unter anderem der Textilindustrie, Modedesign, Politik, Beratung und Forschung tauschten sich zu den Themen gesunde Textilien, Materialkreisläufe und transparente Lieferketten aus. Die Herausforderungen rund um die sortenreine Trennung natürlicher und künstlicher Materialen sowie ihrer Rückführung in den natürlichen bzw. technischen Kreisläufe, aber auch der grundsätzliche Einsatz gesunder Materialen wurden im Rahmen spannender Diskussionen erörtert.

Zu Beginn begrüßte Dr. Monika Griefahn die Akteur*innen und betonte sogleich die Tragweite des Themenfeldes Textilien als wichtiger Bestandteil unseres täglichen Lebens. Cradle to Cradle stehe in diesem Zusammenhang für Gesundheit, für Qualität und insbesondere für Kreisläufe. Dr. Monika Griefahn unterstrich die Bedeutung des Cradle to Cradle e.V. dessen Ziel es sei, eben diese „Idee unter die Menschen zu bringen“.

Rita Schwarzelühr-Sutter, Parlamentarische Staatssekretärin, sprach anschließend in ihrem Grußwort die Bedeutung der Textilbranche als einen der umsatzstärksten Wirtschaftszweige an und verwies gleichzeitig mit der Frage „was hat der Verbraucher auf der Haut“ auf die alltagspolitische Relevanz von gesunden Materialen in Textildesign und -produktion. Darüber hinaus habe sich die Bundesregierung verpflichtet bis 2020 die Hälfte der öffentlich beschafften Textilien anhand von Nachhaltigkeitsstandards auszuwählen. Sie unterstrich die Bedeutung der Vorbildfunktion der öffentlichen Hand. Rita Schwarzelühr-Sutter schloss ihren Beitrag mit lobenden Worten zur Bildungs- und Vernetzungsarbeit des Cradle to Cradle e.V. und wünschte ihm viel Erfolg!

Nora Sophie Griefahn, Geschäftsführende Vorständin des C2C e.V., stellte daraufhin das Cradle to Cradle Prinzip sowie den Cradle to Cradle e.V. in einem kurzen, anschaulichen Beitrag vor. Anschließend führte sie Teilnehmer*innen des C2C-Talks ein und begleitete die Gäste als Moderatorin durch den Abend.

Friederike von Wedel-Parlow betonte eingangs mit Blick auf die Reichweite des Themas Textilien: „Viele sehen es als die schönste Nebensächlichkeit der Welt, aber es geht uns alle […] an!“  Sie schilderte ihre einschneidenden Erlebnisse auf der Pariser Modewoche, die sie dazu bewogen, sich mit neuen Konzepten zur Gestaltung von Textilien zu beschäftigen. So stieß sie auf die Cradle to Cradle Idee, welche sie seitdem in ihrer Funktion als Professorin für „Sustainable Design Strategies“ an der Kunsthochschule ESMOD mit Masterstudierenden auf kreative Weise umsetzt. Im Herbst 2016 gründete sie das „Beneficial Design Institute“ und arbeitet dort mit verschiedenen Firmen an der Marktreife innovativer Cradle to Cradle Produkte. Die Aufgabe der zukünftigen Konsument*innen sei es dann zu lernen, die genutzten Textilien fachgemäß zu entsorgen.

Albin Kälin, Gründer und Geschäftsführer der EPEA Switzerland GmbH, brachte mehrere Praxisbeispiele aus seiner Arbeit mit verschiedenen Textilunternehmen mit. Unter anderem veranschaulichte er die Notwendigkeit eines Neudenkens von Textilien am Bespiel eines BHs, „weil ein BH mit seinen verschiedenen Bestandteilen ein Chemiecocktail ist!“ Für die bisher verwandten Materialien gesunde Alternativen zu finden und diese anschließend sortenrein in ihre entsprechenden Kreisläufe zurückführen zu können, sei eine Herausforderung. Mit den kürzlich in Paris präsentierten Wolford-Produkten sei sie gemeistert worden. Albin Kälin zitierte ein Konsument*innen-Studie unter Wolford Kund*innen, die repräsentativ zeigen konnte, wie groß die Nachfrage nach Materialgesundheit und Rückgabemöglichkeiten genutzter Produkte bereits ist. Er appellierte eindringlich an alle Akteur*innen sich für die Transformation der Textilproduktion gemäß der Cradle to Cradle Standards einzusetzen.

Volker Steidel, seines Zeichens geschäftsführender Gesellschafter bei Lauffenmühle GmbH & Co. KG,. zeigte unter anderem anhand der Geschichte seines Produkts infinito, wie mit viel schöpferischer Kraft Materialien entwickelt werden können, die echte Lösungen darstellen. Mit der neuartigen Kunststofffaser infinito, die biologisch kreislauffähig ist, könnten wir bereits heute „tolle Produkte machen“, die Cradle to Cradle Standards entsprächen. Er betonte auch die Wichtigkeit von Transparenz „von der Faser bis zum Endprodukt“, dass sei es, was die Kund*innen erwarten. Volker Steidel unterstrich nicht nur die Wichtigkeit der Verbreitung der positiven Idee einer potentiell endlosen Kreislaufwirtschaft, sondern betonte auch die Wichtigkeit von Zusammenarbeit und Vernetzungsarbeit in diesem Zusammenhang.

Die Rückfragen und Anregungen aus der erweiterten Gesprächsrunde ergaben eine spannende Diskussion, die anschließend bei Wein und einem Imbiss aus dem Hause Sarah Wiener in kleineren Runden weitergeführt werden konnte. Auch unser zweites Expertenforum nutzten interessierte und engagierte Firmen und Einzelpersonen als Plattform für Austausch und Vernetzung. Unter unseren Gästen befanden sich unter anderem Mitarbeiter*innen aus dem BMZ und dem BMUB sowie Designer*innen, Vertreter*innen unterschiedlicher C2C-Unternehmen und Entscheider*innen verschiedenster Institutionen und Unternehmen.

Unser drittes Expertenforum wird voraussichtlich im Sommer zum Thema Verpackungen stattfinden. Verpassen Sie keine Termine und melden Sie sich für unsere monatlichen C2C e.V. News an: Betreff: Anmeldung C2C e.V. News