A

ABCX-Methode
Das Definieren geeigneter Materialien ist zentral bei der Entwicklung von C2C-Produkten. Der Ist-Zustand wird mit Hilfe einer produkt- und szenariospezifischen ABC-X-Kategorisierung bewertet. A bedeutet optimal, B heißt optimierbar, C steht für tolerierbar und X für nicht tolerierbar. Materialien, die unter X fallen, müssen durch unbedenkliche Stoffe ersetzt werden. Je mehr Materialien unter A fallen, desto höher der Zertifizierungsstandard. Während konventionelle Umweltstandards auf dem Ausschluss oder der Reduzierung bestimmter Stoffe basieren, werden bei Cradle to Cradle mit „Präferenzlisten“ Materialien zusammengefasst, die wegen ihrer guten Eigenschaften in Bezug auf Umwelt und Gesundheit unbedenklich bzw. förderlich sind.

Abfall ist Nährstoff (Nährstoff bleibt Nährstoff)
Nach dem C2C Designkonzept ist Abfall Nährstoff für etwas Neues. Materialien zirkulieren in Kreisläufen der Biosphäre und Technosphäre (biologischer bzw. technischer Kreislauf), wenn sie unter Berücksichtigung der C2C Designprinzipien dafür gestaltet wurden. Müll, ein Menschen gemachtes Konzept, existiert nicht mehr, sondern nur kontinuierlich zirkulierende Nährstoffe.

 

B

Biologisch abbaubar
Materialien für die Biosphäre sind biologisch abbaubar. Sie dienen den lebendigen und gesunden Organismen innerhalb des biologischen Kreislaufs als Nährstoff, ohne ihnen zu schaden.

Biologischer Kreislauf (Biosphäre)
Innerhalb der Biosphäre zirkulieren Materialien im biologischen Kreislauf. Materialien für die Biosphäre sind gesund für Mensch und Umwelt sowie biologisch abbaubar. Nach der Nutzung sind sie Nährstoff für neues Wachstum wie die Blüten des Kirschbaums, die zu Kompost werden. Produkte wie Putzmittel oder Zahnpasta stehen in direktem Kontakt mit uns und unserer Umwelt und gelangen durch ihr Nutzungsszenario in die Biosphäre, genau wie der Abrieb des Autoreifens unweigerlich in die Umwelt gelangt: Die Bioabbaubarkeit ermöglicht es, den biologischen Kreislauf zu schließen.

 

C

Cradle to Cradle (Von der Wiege zur Wiege)
Detaillierte Informationen zur C2C Denkschule und C2C Designkonzept findest Du auf den Seiten 12/13 im Printmagazin NÄHRSTOFF #4 sowie im Innenteil der ausklappbaren Seiten.

Cradle to Grave (Von der Wiege zur Bahre)
Der Cradle to Grave-Begriff umschreibt unsere überwiegend vorherrschende Wirtschaftsweise: Materialien werden der Erde entnommen und in unseren Produkten mit minderwertigem Design verbaut. Am Ende landen sie nutzlos auf Deponien oder gar in Müllverbrennungsanlagen und werden so dauerhaft der Nutzung entzogen.

 

D

Denkschule (C2C Denkschule)
Der Begriff „Denkschule“ erinnert nicht ohne Grund an die philosophischen Diskussionen in der Geschichte. Die C2C Denkschule möchte eine grundlegend neue Sicht auf die Welt und unser menschliches Handeln vermitteln. Sie begreift den Menschen nicht als Schädling, sondern als Nützling auf der Erde, der einen positiven Fußabdruck hinterlassen kann.

 

G

Gebrauchsgüter
Gebrauchsgüter (z. B. Waschmaschinen oder Glasflaschen) zirkulieren im technischen Kreislauf (Technosphäre) und sind dabei so gut wie keiner Materialabnutzung ausgesetzt. Nach sortenreiner Trennung der eingesetzten Materialien können diese in gleichbleibender oder höherer Qualität kontinuierlich in technischen Kreisläufen zirkulieren. Eine Rückführung der eingesetzten Materialien kann zukünftig durch Produktservicesysteme gelingen.

 

I

Intelligente Verschwendung
Intelligente Verschwendung (von Engl.: Abundance) lässt sich als Grundprinzip des Lebens in der Natur beobachten: Ein Kirschbaum produziert massenhaft Blüten, die nach der Bestäubung, herabfallen (Abfall) und ihre Nährstoffe als Kompost an den Baum zurückgeben. Nach diesem Prinzip können wir auch unsere Produkte herstellen, sie müssen dabei kreislauffähig und in definierten Nutzungsszenarien gesund für Mensch und Umwelt sein. Diese Maxime setzt sich deutlich vom Status Quo der sinnlosen Vergeudung (siehe Müll) ab: Es geht um Effektivität, um den Nutzen!

 

M

Material Pooling
C2C zielt auf eine umfassende Transformation der aktuellen Wirtschaftsweise ab. Dafür ist ein Zusammenschluss aller beteiligten Akteur*innen wichtig. Zentral ist dabei die gemeinsame Nutzung von Materialien. Das sogenannte Material Pooling ist eine Möglichkeit dies umzusetzen: Unternehmen können materielle Ressourcen im Pool nutzen und gleichzeitig ihre Expertise im Bereich Erwerb und Umwandlung von Materialien austauschen. Es handelt sich um ein für alle Beteiligten gewinnbringendes Kooperationssystem und bringt Akteur*innen entlang der gesamten Wertschöpffungskette zusammen.

Materialbanken
Unternehmen haben die Möglichkeit, ihre Produkte als Services anzubieten. Nach Ablauf eines festgelegten Nutzungszeitraums oder -szenarios können die Produkte bzw. das Material wieder an die Unternehmen oder direkt an Recycling-Unternehmen zurückgeführt werden. So werden Materialkosten zu Investitionen und die Hersteller*innen zur Materialbank.

Müll
Müll ist ein menschengemachtes Konzept und entsteht aufgrund von schlechtem Design, das Materialien von der Wiege zur Bahre verliert. Müll steht für verlorengegangene Ressourcen und sinnlose Vergeudung.

 

N

Nützling
In der C2C Denkschule ist der Mensch ein Nützling und Teil der Natur: Wir leben in ihr, agieren mit ihr und gehören als Lebewesen zu ihr. Wir Menschen können über uns selbst hinauswachsen und mit unserem Verhalten einen positiven Fußabdruck hinterlassen.

Nutzungsszenario
C2C Produkte werden von vornherein für ein geplantes Szenario designt. Das heißt sie zirkulieren entweder im biologischen oder technischen Kreislauf, wo sie unterschiedliche Anforderungen erfüllen müssen. Kupfer beispielsweise, das im biologischen Kreislauf schädliche Auswirkung haben kann, ist im technischen Kreislauf unbedenklich einsetzbar. Es gibt Produkte, die Nährstoffe aus beiden Kreisläufen vereinen, aber immer unter der Voraussetzung, dass diese nach der Nutzung sortenrein getrennt werden können. Wenn Produkte nach C2C hergestellt werden, sollten sie solange genutzt werden, wie es im Einzelfall sinnvoll ist. Es sollte produktspezifisch beurteilt werden, welcher Nutzungszeitraum sinnvoll ist. Mit einem definierten Nutzungszeitraum kann ein Unternehmen mit dem Rücklauf seiner hochwertigen Materialien rechnen und diese dann für seine weitere Produktion einsetzen.

 

P

Positiver Fußabdruck (Öko-Effektivität)
Im Gegensatz zur weitverbreiteten Schule des Verzichts, der Reduktion und des negativen ökologischen Fußabdrucks geht die C2C Denkschule davon aus, dass wir unser kreatives Potential nutzen können, um einen positiven Fußabdruck zu hinterlassen. Damit stellen wir dem Ansatz der Öko-Effzienz den der Öko-Effektivität vorweg. Grundlegend ist dabei ein Menschenbild, bei dem der Mensch als Nützling, nicht als Schädling betrachtet wird.

Positiv definierte Materialien
Materialien werden im C2C Designkonzept positiv definiert: Im Gegensatz zum gängigen „Frei von“-Ansatz werden Materialien ausgewählt, die ohne Bedenken in den jeweiligen Kreisläufen und Nutzungsszenarien verwendet werden können (Ver- oder Gebrauchsszenario). Es ist wichtig zu definieren, was in einem Produkt enthalten ist. Zu wissen, was nicht enthalten ist, reicht nicht aus. So verhindern wir, dass Schadstoffe einfach durch andere ersetzt werden.

Produktservicesysteme (PSS)
Ein Produkt wird für einen Zeitraum als Service (bspw. 1000 Waschgänge statt Waschmaschine besitzen) verkauft. So ist der Materialrücklauf Teil des Produktes und wertvolle Materialen gelangen zurück zur Wiege (Herstellende, Upcycler*innen).

 

R

Regenerative Energie
Regenerative Energie ist die Basis für die Herstellung von C2C-Produkten. Jeden Tag gelangt eine schier unendliche Menge an Sonnenenergie auf unsere Erde, die wir unbegrenzt nutzen können, um kontinuierliche Kreisläufe zu schaffen.

Reversibilität
Beim Einsatz von Materialien ist darauf zu achten, dass deren Wirkung auf die Umwelt reversibel, also umkehrbar ist. Irreversibilität von Umweltfolgen wird nicht toleriert.

 

T

Technischer Kreislauf (Technosphäre)
In der Technosphäre zirkulieren Materialien wie bspw. Metalle oder Kunststoffe, die begrenzt auf der Erde zur Verfügung stehen und daher bei gleichbleibend hoher Qualität erhalten werden müssen. Aber auch nachwachsende Rohstoffe können in der Technosphäre zirkulieren, bevor sie dann wieder in die Biosphäre zurückgehen. Bürostühle können z. B. so hergestellt werden, dass alle eingesetzten Materialien sortenrein und mit geringem Aufwand voneinander getrennt werden können, um sie danach wiederzuverwenden.

 

U

Umfassende Qualität
Die C2C Denkschule formuliert umfassende Qualität als eines der Ziele einer gesamtgesellschaftlichen Veränderung. Produkte sind dann umfassend qualitativ, wenn sie unter Einsatz regenerativer Energien für biologische und technische Kreisläufe produziert werden. Dabei werden Materialien verwendet, die bei Herstellung und im jeweiligen Nutzungsszenario gesund für Mensch und Umwelt sind. Insgesamt werden die vier Dimensionen Kultur, Soziales, Ökonomie und Ökologie beachtet.

 

V

Verbrauchsgüter
Verbrauchsgüter (z. B. Seife, Schuhsohle) zirkulieren im biologischen Kreislauf (Biosphäre), denn sie sind einer Abnutzung ausgesetzt und gelangen in die Umwelt. Daher müssen sie für die Biosphäre gestaltet sein, ihre Materialien sind also gesund für Mensch und Umwelt und biologisch abbaubar.

Vielfalt feiern (Diversität)
Entgegen der Eintönigkeit von der Wiege zur Bahre inspirieren uns lebendige und vielfältige Systeme unseres Planeten. Einheitsgrößen und Vereinfachungen von komplexen Zusammenhängen bieten nicht immer die passenden Lösungsansätze für drängende Problemstellungen. Die biologische und kulturelle Vielfalt kann durch die menschliche Kreativität unterstützt und sinnvoll genutzt werden.

 

Z

Zertifizierung
Bei der Cradle to Cradle Certified™-Zertifizierung, die das gemeinnützige Products Innovation Institute (C2CPII) vornimmt, werden verschiedene Faktoren und Ebenen der Herstellung, Nutzung und der Wiederverwertung bewertet. Es gibt fünf Abstufungen in der Zertifizierung von Basic über Bronze, Silber, Gold bis hin zu Platin, welches den höchsten Produktstandard kennzeichnet. Dabei werden die fünf Faktoren Materialgesundheit, Wiederverwendbarkeit, Nutzung erneuerbarer Energien und Kohlenstoffmanagement, Wasserqualität sowie Sozialstandards betrachtet. Weltweit gibt es aktuell knapp 300 C2C-Unternehmen mit über 8.000 C2C-Produkten.