Ob beim Einkauf im Supermarkt oder dem Versorgen mit Kosmetik- und Hygieneartikeln in der Drogerie – wir alle sind täglich mit Verpackungen konfrontiert und lassen sie meist im Müll verschwinden, egal ob aus Pappe, Kunststoff oder Glas. Zum einen verschwenden nur wenige Konsument*innen Gedanken an das Leben der Verpackung nach erfüllter Funktion – oder aber gehen davon aus, dass sie im Recyclingprozess aufgewertet werden und nicht “verloren” sind. Faktisch lassen sich Verpackungen aktuell aber nur in seltenen Fällen wiederverwenden oder recyceln, und wenn dann nur in qualitativ minderwertige Produkte. Sie sind nach dem Cradle to Grave-Prinzip designt. Und nicht nur am Ende der Verkaufs- und Verzehrkette fällt Müll an, auch permanent während der Rohstoffgewinnung, Produktion, dem Transport, Verkauf und Service.

Seit den 2000ern ist der anfallende Verpackungsmüll u. a. durch mehr Ein- und Zwei-Personen-Haushalte und den stark wachsenden Onlinehandel und -versand, weiter angestiegen. Insbesondere Deutschland liegt im europäischen Vergleich regelmäßig in der Spitzengruppe der Müllproduzent*innen. Beispielhaft kann hier das Jahr 2014 genannt werden, in dem 17,8 Millionen Tonnen Verpackungsmüll anfielen, darunter der größte Teil Pappe, Karton und Papier (8,1 Mio Tonnen), gefolgt von Kunststoffen (2,9 Mio.), Glas (2,7 Mio) und Holz (3 Mio).

Gleichzeitig liegen die tatsächlichen Verwertungsquoten im Recyclingprozess nur bei rund 30 bis 40 %, laut der Deutschen Gesellschaft für Abfallwirtschaft (DGAW) – entgegen der offiziellen hohen Zahl des Bundesumweltministeriums, das von einer 80 % Wiederverwertungsquote ausgeht. Erklärbar ist dieser Unterschied dadurch, dass letztere mit der Müllmenge, die in eine Recyclinganlage geht rechnet, aber nicht berücksichtigt was damit passiert. Verluste durch sogenannte Fehlwürfe, die aussortiert und meist verbrannt werden beispielsweise, oder Verbundstoffe, die nicht stofflich verwertet werden können bleiben in den Statistiken als “recycelt” stehen. Insgesamt wird ca. die Hälfte dessen, was im Gelben Sack landet verbrannt, und die andere Hälfte werkstofflich verwertet. Verwertung bedeutet hier letztlich Downcycling und nicht die qualitativ hochwertige Aufbereitung in neue Produkte, wie Cradle to Cradle es fordert.

Woran liegt das, und warum schafft es der sogenannte Recycling-Weltmeister Deutschland nicht, die anfallenden Müllmengen aufzubereiten? Gründe genug, dies zu ändern gibt es. Bilder von riesigen Plastikinseln in unseren Ozeanen sind schon lange bekannt und wir wissen um die Gefahr der maritimen Ökosysteme und letzten Endes auch unserer Gesundheit. Genauso wissen wir, dass Erdöl und andere Rohstoffe zur Neige gehen und gerade ein rohstoffarmes Land wie Deutschland sollte ein Interesse daran haben, diese nicht zu verschwenden. Aber auch mit Inkrafttreten der neuen EU-Vorschriften, die ab 2025 eine Quote von mindestens 65 % für Verpackungsmüll fordert, oder das China ab sofort keinen deutschen Müll mehr importiert und kauft gibt wirtschaftlichen Anreiz, eine tatsächliche Wiederverwertung zu ermöglichen.

Was ist nun genau das Problem an Verpackungen…

Das momentan größte Problem ist, dass kaum Recycling bzw. Wiederaufbereitung von Verpackungen im Sinne von Cradle to Cradle möglich ist und kaum jemand weiß, ob Produzent*in oder Konsument*in, aus was sie eigentlich bestehen. Selbst die oft als umweltfreundlich gepriesenen Verpackungen aus Papier und Glas sind nicht ohne Giftstoffe. Gerade wenn sie aus Recyclingmaterialien bestehen, enthalten sie oft Mineralöle oder Weichmacher, die in Lebensmittel übergehen, besonders durch die verwendeten Druckfarben. Zu oft werden verschiedene Stoffe und Kunststoffarten miteinander vermischt, die in jetzigen Recyclingverfahren nicht sortenrein getrennt werden können, sogenannte Verbundstoffe. Ein Getränkekarton beispielsweise besteht aus Papier (Zellulose) und Aluminium- sowie Kunststofffolien, die bei der Verwertung zunächst in einem Ablöseverfahren unter Zugabe von Wasser wieder getrennt werden müssen. Das Papier kann zu qualitativ minderwertigen Verpackungen wie Eierkartons verarbeitet werden, Aluminium und Kunststoff können in der Zementindustrie zur Energieerzeugung, bzw. Qualitätsverbesserung dienen. Im Jetzt-Zustand ist das sicher besser, als gar keine Verwendung – aber Verwertung im Sinne von Cradle to Cradle ist es nicht und es ist Zeit, Verpackungen ganz neu und von vorne zu denken!

Denn auch bisher auf den Markt gebrachte Alternativen zu herkömmlichen fossilen Kunststoffverpackungen stoßen umwelt- und funktionstechnisch an Grenzen. Auch wenn sie nach Verbrauch im Idealfall biologisch abbaubar sind, sind sie nicht immer geeignet, Lebensmittel hygienisch und sicher zu verpacken. Der C2C e.V. fordert ein Umdenken in der Verpackungsindustrie. Wir müssen Verpackungen genau definieren, und die verwendeten Materialien kennen, um sicher zu stellen, dass sie qualitativ hochwertig, frei von bedenklichen und giftigen Stoffen sind, und nach ihrem Gebrauch wieder zu Nährstoff für hochwertige Produkte werden. Mithilfe von erneuerbaren Energien wäre dies ökologisch und effektiv machbar – Zeit also für Hersteller*innen und Händler*innen aktiv zu werden und die Produktionsprozesse umzustellen!

..und was wollen wir?

Kurzum – richtig gute Verpackungen, wenn wir auf sie angewiesen sind und ihr Nutzen außer Frage steht! Abgesehen davon, dass Verpackungen Inhaltsstoffe wie Allergene kommunizieren, gibt es weitere praktische Gründe Verpackungen nicht abzuschaffen, sondern neu zu denken. Sie vereinfachen den Transport, bringen z. B. Flüssigkeiten oder lose Ware wie Käse sicher von A nach B, und erlauben es hohe Stückzahlen auf einmal zu transportieren. Sie schützen Produkte vor äußeren Einflüssen, was nicht zuletzt positiv auf das eigentliche Produkt, sondern auch auf die Verbraucher*innen wirkt. Hygienische Vorschriften werden umgesetzt sowie die Haltbarkeit der Lebensmittel verlängert.

Statt Verbot und Verzicht fordern wir deshalb gute Verpackungen, die qualitativ hochwertig wiederverwertet werden können. Dafür müssen sie von Anfang an so designt sein, dass ihre  Bestandteile leicht voneinander trennbar sind und nach ihrer Nutzung in Kreisläufen zirkulieren können. Sie sind also modular aufgebaut und leicht trennbar für den Recyclingprozess, oder aus reinen Kunststoffsorten wie Nylon oder antimonfreies PET. Oder aber sie sind für den biologischen Kreislauf konzipiert und bestehen beispielsweise aus biologisch abbaubarem Papier und Druckfarben. Wie auch immer – prinzipiell müssen die verwendeten Materialien – Kunst- & Zellstoffen, bis zu Farben und Additiven – genau definiert, gesund und qualitativ hochwertig sein, und keine Giftstoffe enthalten, die auf Lebensmittel, Mensch oder Ökosystem übergehen.

Herkömmliche Geschäftsmodelle müssen in Frage gestellt und verändert werden. Wir brauchen einen systematischen, ganzheitlichen Ansatz für eine Verpackungsstrategie, die in jedem Prozessabschnitt für einen positiven Einfluss auf Mensch und Natur sorgt, und ein hochwertiges Aufbereiten von Kunststoffen ermöglicht.

Das dies möglich ist, zeigen schon jetzt Beispiele aus der Praxis. Eine Kosmetikfirma arbeitet kontinuierlich daran, den recycelbaren Anteil ihrer Verpackungen zu erhöhen, um die Ressourcen im technischen Kreislauf zu halten und spart so jährlich bis zu 300 Tonnen an Neukunststoff. Es gibt eine Schokoladenverpackung, die aus zwei Folien besteht, die nur durch einen Kaschierkleber verbunden sind – und somit vollständig recycelbar. Des weiteren gibt es biologisch abbaubares Plastik auf Zellulosebasis, dass sich sogar im Hauskompost abbaut, und um einige Lebensmittel gepackt werden kann, denen Luftfeuchtigkeit nicht zusetzt. Selbst Fast-Food kann in biologisch abbaubaren, recycelbaren Behältern auf Basis von Zuckerrohr, Bambus oder Rohrlkolben transportiert und serviert werden. Und auch Schaumstoff kann aus pflanzlichen Materialien hergestellt und wiederverwertet werden und bietet so sicheren, haltbaren Schutz!

Dieser Auszug aus Verpackungsinnovationen, die Essens-, Pflege- und Wohlfühlprodukte umhüllen zeigt, Verpackungen nach C2C, die einen positiven Fußabdruck hinterlassen, sind möglich. Wenn das mal keine motivierenden, guten Nachrichten sind, mit der wir in die Aktionswoche 2018 starten können, um großflächige Veränderungen und ein Umdenken anzuregen!

 

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