„Verpackung – Gesund. Kreislauffähig. Nützlich.“ Mit diesem Thema setzten wir uns am 05. Dezember 2018 mit unserem Cradle to Cradle (C2C) Fachforum genauer auseinander. Akteur*innen aus verschiedenen Bereichen teilten ihre Erfahrungen und Lösungsansätze zu den Themen Verpackung, Kreisläufe, Materialgesundheit, Rücknahme und Recycling. Auf dem Podium diskutierten C2C-Expertin Katja Hansen, der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesumweltministerium Florian Pronold und Reinhard Schneider, Geschäftsführer von Werner & Mertz. 

Verpackungen stehen in der Kritik, als Ursache Nummer Eins für die Unmengen an Müll in unserer Umwelt. 2016 fielen 18,16 Millionen Tonnen Verpackungsabfall an, wovon nur ein geringer Teil recycelt werden konnte. Unsere Meere, Strände, Ackerflächen und Supermarktregale quellen davon über. Gleichzeitig sind Verpackungen nicht aus unserem Leben wegzudenken. Sie schützen Waren beim Transport, helfen Hygienevorschriften einzuhalten und unsere Gesundheit zu schützen. Dennoch stehen wir vor dem Problem, dass durch Verpackungen zu viel Müll entsteht, Giftstoffe in die Umwelt gelangen und Rohstoffe verloren gehen. 

Den Auftakt des Fachforums machte Dr. Monika Griefahn, Vorsitzende des C2C e.V.. Sie wies auf die aktuellen Probleme hin und bekräftigte die Wichtigkeit des C2C Designkonzeptes bei der Problemlösung. C2C fordert, dass Verpackungen für entsprechende Nutzungsszenarien designt werden, keine Rohstoffe verloren gehen und Verpackungen gesund für Mensch und Umwelt sind.

Katja Hansen ist wissenschaftliche Expertin im Beirat des C2C e.V.. Seit mehr als zwei Jahrzehnten setzt sie C2C-Projekte mit einer Vielfalt von Stakeholdern aus der Industrie und der öffentlichen Hand im In- und Ausland um. Sie leitet die Healthy Printing Initiative (HPI), ein Zusammenschluss von Herstellenden und Abnehmenden im Druckbereich, der sich zum Ziel gesetzt hat, wirtschaftliche Druckprodukte voranzutreiben, die gesund für Mensch und Umwelt sind. Darüber hinaus ist Hansen Mitinitiatorin des von Horizon 2020 geförderten Projektes ‚BAMB – Buildings as Material Banks‘, in dessen Rahmen die sogenannten Material Passports entwickelt werden. Hansen vertrat auf dem Podium die C2C-Sicht auf das Thema Verpackung. Gleich zu Beginn nahm sie die klassische Verpackungsfrage genauer unter die Lupe: ist es besser, eine Papiertüte oder eine Plastiktüte zu kaufen? Papier ist nicht unbedingt besser als Plastik, wenn es aus unreinem Papier recycelt wird. Es gilt zuerst die Frage zu beantworten, für welches Nutzungsszenario eine Verpackung überhaupt benötigt wird: Wo wird diese eingesetzt? Kommt sie zum Beispiel mit Nahrungsmitteln in Kontakt? Auch das Branding hat enorme Auswirkungen auf das Konsumverhalten und die Wertschätzung, die einem Produkt entgegengebracht wird. Wenn zum Beispiel Marken-Schuhe nicht mit Logo auf dem Karton ausgeliefert werden, ist die Retourequote höher. Auch hat die Substanz, mit der die Verpackung bedruckt wird, Auswirkungen auf die Recyclingqualität des Materials. 

Florian Pronold möchte mit Hilfe der neuen Maßnahmen alle zirkulierenden Verpackungen durch die Verpackungsherstellenden lizenzieren lassen. „Jede Veränderung, die man im positiven Sinne vollzieht, ist nicht zu unterschätzen!“ Deutlich höhere Recycling-Quoten sollen festlegt und die Anforderung an sortenreine Rezyklate erhöht werden. Allgemein gilt es, Mehrwegsysteme, dort wo sie sinnvoll sind, zu stärken, da der Rücklauf dadurch gestärkt wird. Weiterhin verwies er auf den Bedarf von nötigen Infrastrukturen, um Mehrwegverpackungen und Pfandsysteme europaweit zu installieren. Pronold erntete Applaus, als er spontan die Verleihung des „braunen Sacks für die unsinnigste Verpackung“ vorschlug. 

Reinhard Schneider, geschäftsführender Gesellschafter und Alleineigentümer von Werner & Mertz, stellte die Position und Herausforderungen aus Industriesicht dar. Schon seit 1992 hat Schneider die Entwicklung des Mainzer Familienunternehmens als Aufsichtsratsmitglied mitgestaltet. Als mittelständisches Unternehmen ist Werner & Mertz ein Vorreiter im Bereich Produktflaschen, die zu 100 % aus Altplastik bestehen und treibt so den Paradigmenwechsel voran. Schneider hob den Kostenfaktor hervor; eine Flasche aus recyceltem Material ist momentan im Schnitt 15% – 20% teurer. Das hält viele Unternehmen davon ab dem Beispiel zu folgen. Es gibt einige Auswege für Unternehmen, sich der Verantwortung entziehen. Zum Beispiel mit „Ocean-Plastic“: denn das, was dadurch zurückgeholt wird, ist von schlechter Qualität und muss mit Erdöl kombiniert werden. Zudem kann nur 1% aus dem Meer gefischt werden. Würden mehr Unternehmen auf Verpackungen aus recyceltem Material setzten, würden die Kosten sinken und es könnte ein neuer allgemeiner Standard geschaffen werden.

Konsens der Diskussion war, dass alle Akteur*innen – Herstellende, Konsument*innen und Politik – gleichermaßen eingebunden werden müssen, um eine Änderung des Status Quo zu erzielen. Bessere Infrastrukturen sind dafür notwendig, die die Return-Logistik erleichtern und ermöglichen, die Entwicklung von reinem Verpackungsmaterial muss vorangetrieben werden, um den Recyclingprozess zu erleichtern. Die Wertigkeit kommt noch nicht bei Bürger*innen an. Wenn die Verbraucher*innen nicht mitmachen, weil sie die Wertigkeit des Materials nicht erkennen und nur auf Politik- bzw. Wirtschaftsebene beschlossen wird, dann entsteht dort kein Kreislauf. Nora Sophie Griefahn betonte, dass neue Aufgaben auf Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft zukommen. „Es gibt noch viel zu tun! Wir müssen Verpackung als Rohstoff sehen!“. 

Franziska Pothou, Geschäftsstelle Berlin