Im Einklang mit Mensch und Natur Häuser zu bauen — das treibt das Familienunternehmen Baufritz seit 120 Jahren an. Baufritz ist Vorreiter in Sachen gesundes, nachhaltiges Bauen und versteht sich als Ideen- und Denkwerkstatt mit Tradition. Angesichts der Verknappung von Wohnraum neue und gesunde Wohnlösungen für eine breite Bevölkerungsschicht zu finden, ist dabei für das Bauunternehmen in Erkheim genauso wichtig wie das Thema Recycling von Baustoffen. Die Baubranche ist nach wie vor für einen Großteil des Brutto-Abfallaufkommens verantwortlich — 2014 lagen Bau- und Abbruchabfälle bei 52,3 Prozent. Innovative Lösungen sind gefragt: Vor über 20 Jahren entwickelte Baufritz die patentierte Holzspänedämmung, bei der aus dem Produktionsreststoff Hobelspäne durch Siebung und Windsichtung sowie einer Molke-Soda-Bedüsung ein hochwertiger Naturdämmstoff hergestellt wird. Diese Dämmung ist seit 2012 als erste Gebäudedämmung weltweit Cradle to Cradle-zertifiziert. Wir haben mit der Baufritz-Geschäftsführerin Dagmar Fritz-Kramer über Zukunftsvisionen, Cradle to Cradle (C2C) und wohngesunde Gebäude gesprochen.

C2C e.V.: Baufritz ist der traditionsreichste Pionier des ökologischen Hausbaus in Deutschland. Warum haben Sie sich mit Ihrem Unternehmen dafür entschieden, C2C in ihren Holzhäusern umzusetzen?

Dagmar Fritz-Kramer: Die Baubranche zählt zu den größten Verschwendern von Ressourcen in Deutschland. Über 50 Prozent des Müllberges werden vom Bau produziert. Täglich werden 1.600 h gewachsener Boden zur Baustoffgewinnung aufgerissen und die Recyclingquote für Baustoffe liegt bei 3 Prozent — aus meiner Sicht besteht hier mehr als Handlungsbedarf — So dürfen wir nicht weitermachen! Deshalb habe ich mich entschieden, dies für unser Unternehmen zu verändern.

C2C e.V.: Welche Rolle spielt das Bauen nach C2C für den Erfolg Ihres Unternehmens?

Fritz-Kramer: Leider noch nicht die Rolle, die ich mir wünschen würde. Wir sind im Endkundengeschäft unterwegs und die C2C-Bewegung ist leider in der breiten Öffentlichkeit nur wenig bekannt. Wenn wir Kunden jedoch die Idee erklären, stoßen wir auf großes Interesse.

C2C e.V.: Oft ist die Luft in den Räumen unserer Häuser weit davon entfernt gesund zu sein. Teilweise ist sie um ein vielfaches stärker belastet als die Außenluft. Wie hilft das Bauen mit C2C-Materialien Baufritz gesunde Raumluft zu garantieren?

Fritz-Kramer: Jedes Haus, das wir dem Kunden übergeben, wird vor Übergabe auf Herz und Nieren geprüft. Eine VOC-Messung, die die ganze Raumluft des Gebäudes unter die Lupe nimmt, gibt unseren Kunden die Sicherheit, dass wir sowohl auf die Auswahl der Baustoffe, als auch auf die Verarbeitung im Detail geachtet haben. Wenn man bedenkt, dass bei einem konventionellen Neubau bis zu 12.000qg/m3 Luftschadstoffe aus Klebern, Schäumen, Kunststoffen auftreten können, garantieren wir unseren Kunden den strengen baubiologischen Grenzwert von unter 300qg/m3. 25 Baubiologen und eine eigene Prüfkammer für Werkstoffe geben zusätzliche Sicherheit. Die Erfahrung aus über 2000 Gebäudemessung in Deutschland dürfte wohl einmalig sein.

C2C e.V.: C2C-Unternehmer*innen beweisen regelmäßig großen Pionier*innengeist, wenn sie ihre Produktion umstellen. Welche Herausforderungen haben Sie mit Ihrem C2C-Unternehmen Baufritz gemeistert?

Fritz-Kramer: Bei der Entwicklung von neuen, alternativen Bauprodukten braucht man extrem langen Atem. Bis ein Produkt die bauaufsichtliche Zulassung erhält müssen höchste bürokratische Hürden genommen werden. Dabei sind wir aber unermüdlich dabei, immer wieder neue Dinge bei unseren eigenen Gebäuden wie Musterhäusern und Betriebsgebäuden zu testen und zu monitoren. Der Aufwand lohnt sich. Mittlerweile hält das Unternehmen 40 Patente und Schutzrechte in unterschiedlichen Bereichen des gesunden Bauens. Dies sichert uns einen gewissen Vorsprung.

C2C e.V.: Der C2C e.V. fordert ein Umdenken in vielen Bereichen, eine Zukunft unter dem Motto „Gebäude wie Bäume Städte wie Wälder“. Wie stellen Sie sich eine innovative Stadt von morgen vor?

Fritz-Kramer: Das wäre mein Traum: Alle Gebäude funktionieren so perfekt wie die Natur! Total materialeffektiv und autark — Wohnungen versorgen sich dort, wo sie stehen mit allem was es braucht. In städtischen Gebieten sind alle Gebäude mit nachhaltigen Materialen saniert und aufgestockt, um ihnen eine „warme Mütze“ zu verpassen. Die Energieverbräuche sind geringst. Unsere Städte sind grün und die vielen Fahrzeuge sind durch Sharing-Conzepte auf einige wenige reduziert.

C2C e.V.: Welche Rolle spielt Baufritz in dieser Zukunft? Was sind die nächsten Schritte, die das Unternehmen gehen möchte?

Fritz-Kramer: Unser Ziel ist es immer noch nachhaltiger und gesünder zu bauen, ob auf dem Land oder in der Stadt. Wir entwickeln aktuell neue Konzepte sowohl für das klassische Einfamilienhaus, als auch für das Wohnen in der Stadt. Daneben versuchen wir immer auf der Suche, auch betriebsintern, unsere Produkte so zu gestalten, dass auch meine Kinder noch Freude daran haben werden — Gesund — kein Müll — Energieeffizient — und natürlich: wunderschön darin zu wohnen.

Dagmar Fritz-Kramer ist seit 2004 Geschäftsführerin des traditionsreichen Bauunternehmens Baufritz aus Erkheim. Sie gehört zu den Vorzeigefrauen des deutschen Mittelstands und wurde 2008 als „Unternehmerin des Jahres“ ausgezeichnet. Baufritz steht für ökologisches Bauen aus Holz und verwendet unter anderem Cradle to Cradle-Baustoffe in seinen wohngesunden Häusern!

Dieses Interview ist erstmals im Printmagazin NÄHRSTOFF #3 erschienen.