Bela B hat mit uns darüber gesprochen, was ihn an Cradle to Cradle (C2C) begeistert, wie jede*r sich für einen positiven Fußabdruck einsetzen kann und Kulturschaffende dabei helfen können.

C2C NGO: Du unterstützt die C2C NGO jetzt schon seit etwa zwei Jahren. Wie bist du auf C2C und C2C NGO aufmerksam geworden? Und was hat dich am C2C Designkonzept überzeugt?

Bela B: Ich bin durch Zufall über einen Vortrag von Prof. Dr. Michael Braungart auf C2C aufmerksam geworden. Den fand ich so interessant, dass ich daraufhin ein Buch von ihm regelrecht verschlungen habe. Wie viele von uns blicke ich manchmal skeptisch in die Zukunft und habe immer abseits von den gängigen Lösungsansätzen auf einen rettenden Gedanken gewartet. An C2C hat mich überzeugt, dass es ein Miteinander ist, auch mit dem Kapitalismus. Ich bin zwar kein Verteidiger des Kapitalismus, dennoch glaube ich nicht, dass wir über Fronten die Welt verändern können. Stattdessen müssen wir versuchen mit überzeugenden Argumenten die Leute, die am schädlichsten für das Leben und die Umwelt sind, auf „unsere“ Seite zu ziehen. C2C ist für mich von allen Konzepten am überzeugendsten, weil man auf eine saubere und auch für die Zukunft angenehmere Art weiterhin profitabel sein kann. Das ist eine sehr positive Wirtschaftsphilosophie.

C2C NGO: Mit den Ärzten singt ihr in dem Song Deine Schuld „Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist. Es wär nur deine Schuld, wenn sie so bleibt“. Denkst du, dass jede*r was tun kann, um die Welt zu verändern?

Bela B: Na klar. Ich kenne viele Leute die sagen: „Ich würde ja Bioprodukte kaufen, aber es ist zu teuer“ oder „ich würde ja spenden, aber es bleibt am Ende des Monats nichts übrig“. Jeder kann was machen, man muss ja nicht Unsummen spenden. Jeder einzelne kann für sich entscheiden, was möglich ist. Und C2C verhilft zu einem stärkeren Bewusstsein. Jeder putzt beispielsweise seine Schuhe, fragt aber nicht, was in dieser Schuhcreme enthalten ist. Das sind Dinge über die sich jeder Gedanken machen kann. Man kann in seinem Umfeld mit gutem Beispiel vorangehen. Das wird zwar häufig als naiv angesehen, aber ich bin davon überzeugt, dass man positiv denken muss. Man darf nicht enttäuscht sein, nur einen von zehn Menschen von seiner Idee überzeugt zu haben. Stattdessen muss man sehen, dass einer verstanden hat, was ich erzählt habe – was mein Anliegen ist. Das ist auch das Schöne an C2C – positiv an die Sachen heranzugehen und sich nicht mit Hass und Verzweiflung aufzuhalten. Wir dürfen keine Gegner sehen, sondern Hürden, die wir überwinden können.

C2C NGO: C2C NGO steht mit seiner Arbeit auch für einen kulturellen Wandel: Wir brauchen ein Umdenken in der Gesellschaft. Was denkst Du, was Kulturschaffende dazu beitragen können?

Bela B: Zum einen natürlich die Idee verbreiten, beispielsweise durch Interviews. Heutzutage gibt es ja Neu-Deutsch den Begriff Influencer – Kulturschaffende haben heute die Möglichkeit etwas Positives zu verbreiten. Ich mag allerdings keine Kulturschaffenden, die mit erhobenen Zeigefinger durch die Welt gehen. Wenn sich die Gelegenheit bei Interviews oder bei öffentlichen Auftritten ergibt, dann ist das super. Zudem spiegeln sich in der Kunst Ideen oder Konzepte, die ich als Kulturschaffender gut finde, wieder. Als Kulturschaffender kannst du auch an deinem eigenen „Produkt“ etwas verändern. Musiker können beispielsweise bei den Merchandise-Artikeln auf die Herstellung achten. In Bezug auf politisch korrekte Artikel wird das häufig schon umgesetzt – danach besteht auch schon eine hohe Nachfrage. Wir merken auch, dass die Leute, die zum Beispiel zu Konzerten von den Ärzten gehen, darüber nachdenken und lieber 2 Euro mehr für ein T-Shirt bezahlen, als Ungerechtigkeiten hinzunehmen.

C2C NGO: Wenn Du dir ein C2C Produkt wünschen könntest, dass es noch nicht gibt: Welches wäre das?

Bela B: Die Dinge, die heute am meisten gekauft werden, sind ja Medientechnologien z. B. Smartphones oder Computer. Wir wissen, was es für Probleme bei der Herstellung gibt, blenden aber beispielsweise aus, was in den Koltanminen passiert, weil das neue Smartphone so schön ist. Diese Industrie lebt zudem davon, dass die Geräte alle zwei Jahre ausgetauscht werden. In der Hinsicht finde ich den Ansatz von Fairphone gut, dass man alles (selbst) auseinanderbauen und reparieren kann. Auch in der Automobilindustrie muss es einen Wandel geben, was wahrscheinlich viel Überzeugungsarbeit benötigt. Tesla zeigt, dass es möglich ist was zu verändern und das positive Feedback für ihre Recyclingbatterien, das sie bekommen haben, zeigt, dass eine Veränderung gewünscht ist. Deutschland ist aber leider immer noch ein Land, in dem Elektroautos noch nicht so gut ankommen, da der ADAC und die Autolobby dagegen arbeiten.

C2C NGO: In der C2C NGO engagieren sich inzwischen über 500 Menschen von jung bis alt. Gibt es etwas, dass du ihnen mit auf den Weg geben möchtest?

Bela B: C2C ist so entwicklungsfähig, dass jeder individuell diesen Begriff erweitern und vergrößern kann. Er ist so erdumfassend, er ist kreativitätsfördernd, geistfördernd. Das gibt es in anderen Konzepten nicht so ausgeprägt, andere sind häufig so monothematisch. Jeder kann und sollte sich für einen positiven Fußabdruck einsetzen.

Bela B ist Schlagzeuger, Komponist, Sänger, Schauspieler und Synchronsprecher. Den meisten ist er als Schlagzeuger und Sänger der Punkrock-Band „Die Ärzte“ bekannt. Politische und gesellschaftliche Themen kommen bei ihm nicht zu kurz, so unterstützt er ausgewählte Vereine und Initiativen und setzt sich u. a. gegen die rechte Szene ein. Seit etwa zwei Jahren unterstützt er C2C NGO und gab im Zuge des C2C Congresses 2016 ein Konzert. www.bela-b.de

Dieses Interview erschien erstmals im Printmagazin NÄHRSTOFF #3